Am Montag, den 09. März 2020 beschloss der Rat der Stadt Haan während einer Sondersitzung, die Bundes- und die Landesregierung aufzufordern, unbegleitete Kinder und Jugendliche aus den griechischen Auffanglagern nach Deutschland zu holen. Bei der Aufnahme und Betreuung wolle die Stadt Haan einen angemessenen Beitrag leisten. So notwendig und richtig diese Maßnahmen sind, die ja bereits von der Bundesregierung aufgenommen wurden, bleibt hinsichtlich der als humanitäres Signal gedachten Resolution ein fader Beigeschmack.

Seit Jahren sind wir Zeugen einer humanitären Katastrophe im nahen Osten, wobei Millionen von Menschen aus ihren angestammten Lebensräumen vertrieben werden und Zuflucht in regionalen Flüchtlingslagern suchen oder versuchen, den Schutz der Europäischen Union zu erlangen. Allein in den Auffanglagern auf den griechischen Ägäisinseln sowie auf dem Griechischen Festland und an den Außengrenzen Griechenlands und Bulgariens zur Türkei harren etwa hunderttausend Menschen aus, in der Hoffnung in Ländern der EU Asyl zu finden. Kaum geschützt vor der Witterung, mehr schlecht als recht ernährt, ohne ausreichende medizinische Versorgung. Die Resolution, wie sie der Rat der Stadt Haan beschlossen hat, mit der einzigen Fokussierung auf die kleine Gruppe der unbegleiteten Kinder und Jugendlichen, wird der Dimension dieses humanitären Desasters nicht gerecht. Es könnte der Eindruck erweckt werden, die überwiegende Mehrheit der Flüchtlinge dort, Frauen, Männer, Mütter mit Kindern seien aus unserer Sicht weniger schutzbedürftig. Tatsächlich kämpfen alle diese Menschen täglich verzweifelt um ihre Zukunft und oft genug um ihr blankes Überleben. 

Wenn schon die Haaner Politik ein humanitäres Signal an die Landes- und Bundesregierung senden wollte, so hätte ich mir gewünscht, etwas mehr Zeit und Mühe darauf zu verwenden, eine dem Sachverhalt angemessenere Resolution zu formulieren. 

Reinhard Zipper