In die Angelegenheit Formella kommt plötzlich Bewegung in unvorhergesehener Weise. Polizei und Staatsanwaltschaft haben Räume des Haaner Rathauses erneut durchsucht und ein Mitarbeiter der früheren ersten Beigeordneten wird der Bestechlichkeit beschuldigt. Die Fälle stehen laut Staatsanwaltschaft in direktem Zusammenhang. Zwar gilt weiterhin, bis zur Verurteilung der Beschuldigten die Unschuldsvermutung, doch lässt die Entwicklung die Entscheidung des Rates zur Abwahl der ersten Beigeordneten im April letzten Jahres in klarerem Licht erscheinen.

Seinerzeit wurde die Diskussion maßgeblich geprägt durch Einlassungen der WLH-Fraktionsvorsitzenden, die die Rechtmäßigkeit des ganzen Verfahrens gegen Frau Formella bezweifelte und der Bürgermeisterin wiederholt rechtswidriges Verhalten und Desinformation des Rates vorgeworfen hatte. Die WLH-Fraktion hatte am 05. April 2019 Frau Formella zu einem Gespräch eingeladen, das die WLH-Fraktionsvorsitzende folgender Maßen zusammen fasste:

„Dieses Gespräch fand im kleinen Kreis der WLH-Ratsmitglieder gestern in einer nicht-öffentlichen Fraktionssondersitzung statt und ich kann nach gut 3 Stunden Sitzung mitteilen, dass die 1. Beigeordnete der Stadt Haan umfassend Rede und Antwort stand und keine, im besonderen meine intensiven Fragen unbeantwortet blieb.

Und in einem weiteren Schreiben an die Ratsmitglieder führte sie aus:

„Frau Formella hat ihren Dienst im Rathaus wieder angetreten. Sie hat sich mit den Amtsleitern besprochen. Sie stand auch "der Politik" Rede und Antwort, denen, die das Gespräch suchten. Einer vertrauensvollen Zusammenarbeit steht nichts im Weg.“

Das sah die Mehrheit des Rates allerdings anders. Es soll hier aber nochmals klar gestellt werden, dass der Rat vor gut einem Jahr nicht über eventuelle strafrechtliche oder dienstrechtliche Verfehlungen der ersten Beigeordneten zu befinden hatte. Vielmehr waren im Laufe der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Tatsachen über die Verhaltensweise von Frau Formella bei ihrer Amtsausübung bekannt geworden, die das Vertrauen in die weitere Zusammenarbeit mit ihr tief erschütterten. Deshalb wurde die erste Beigeordnete mit qualifizierter Mehrheit abgewählt. Die rechtliche Aufarbeitung liegt indessen bei Staatsanwaltschaft und Gerichten. Wobei sich die Staatsanwaltschaft deutlich mehr Zeit für die Aufarbeitung der Sachverhalte nimmt als die drei Stunden, die der WLH-Fraktion und ihrer Fraktionschefin damals genügten. Was die Handlungsweise der Bürgermeisterin in der Angelegenheit angeht, so wies der mit dem Fall befasste Oberstaatsanwalt Baumert ausdrücklich darauf hin, dass sich die Bürgermeisterin strafbar gemacht hätte, hätte sie die ihr aufgefallenen Unregelmäßigkeiten nicht zur Anzeige gebracht.

Einmal mehr sieht sich die FDP-Ratsfraktion in ihrer damaligen Positionierung zur Abwahl der ersten Beigeordneten bestätigt.