Die Coronakrise hat auf brutale Weise die Defizite bei der Digitalisierung des Schulunterrichts offengelegt. Lerninhalte und Vertiefungsübungen wurden so gut es ging von Präsenz- auf Distanzunterricht umgestellt und teilweise noch durch Boten oder per Post analog an die Schüler verteilt. Es fehlte allenthalben an Endgeräten, Serverkapazitäten sowie geeigneten Plattformen. Außerdem  war didaktisch, wie technisch für den digitalen Unterricht aufbereitetes Lehrmaterial nicht ausreichend verfügbar. Das war keineswegs ein nur auf Haan beschränktes Problem. Bundesweit kämpften Lehrerinnen und Lehrer darum, wenigstens Minimalformen an Unterricht während der Schulschließungen aufrecht zu erhalten.

Am Ende und nach der Krise müssen  jetzt Maßnahmen ergriffen werden, die nicht nur auf die Verbesserung des Fernunterrichts abzielen, sondern den Präsenzunterricht mit digitalen Mitteln unterstützen und modernisieren. Für diesen Transformationsprozess hat die FDP-Fraktion im Haaner Rat vorgeschlagen, eine „Digitalkonferenz“ zur Koordinierung aller einzubindenden Handlungsbereiche einzurichten. Aus derzeitiger Sicht bestehen für die FDP folgende zu koordinierende Handlungsfelder.

  1. Von Seiten des Landes werden zunehmend grundlegende digitale Arbeitsvoraussetzungen für die Schulen im Lande geschaffen und kostenlos zur Verfügung gestellt. Zu nennen ist hier die Plattform  LOGINEO.NRW, die mit ihrem Modul LMS weiter an Profil gewinnt. Das Modul LMS steht für Lern-Management-System und bietet die Möglichkeit für Lehrerinnen und Lehrer, ihren Unterricht sowie die Kommunikation mit Schülerinnen und Schülern digital zu strukturieren. Diese Aktivitäten der Landesregierung sind beim Aufbau einer individuellen Digitalisierungsstrategie der Stadt und der jeweiligen Schulen zu analysieren, zu bewerten und zu berücksichtigen.
  2. Die Beschaffung von Hardware beschränkt sich nicht auf die Beschaffung von Smartboards und Endgeräten. Zur Abwicklung von Präsenz- wie Distanzunterricht ist eine angepasste Servertopologie erforderlich, die zentrale Dienste für die Gesamtheit der Schulen, als auch individuelle Erfordernisse einzelner Schulen berücksichtigen muss.
  3. Es existiert bereits eine Vielzahl an Softwareprodukten für digitales Lernen. Diese Produkte haben unterschiedliche Zielsetzungen und natürlich auch Qualitätsunterschiede. Zahlreiche Produkte sindauf die direkte Vermittlung selektiver Inhalte ausgerichtet. Andere dienen Lehrerinnen und Lehrern bei der individuellen Planung und Vorbereitung ihres Unterrichts sowohl im strategischen Aufbau als auch bei der operativen Gestaltung und Durchführung. Den Lehrkräften sollte gerade hier Raum für kreative Gestaltung eingeräumt werden. 
  4. Unter dem Gesichtspunkt der zunehmenden Digitalisierung sind die pädagogischen Konzepte der Schulen neu  zu definieren. Da dies nicht auf den Schulbetrieb beschränkt bleiben wird, ist es unbedingt erforderlich, neben Schulleitung und Lehrkräften auch Schülerinnen und Schüler sowie die betroffenen Eltern zu beteiligen. Zu klären sind beispielsweise Fragen, die die Anforderungen aus der pädagogischen Zielsetzung, die Leistungsanforderungen an Schülerinnen und Schüler sowie die Zumutbarkeit der Einbindung von Eltern in den Schulbetrieb betreffen. Verwaltung und Politik müssen für diesen Prozess die notwendigen Rahmenbedingungen Sorge schaffen.
  5. Als weitere Komponente ist die gemeinsame Sorge der Erziehungsverantwortlichen, Eltern und Lehrerschaft, zu berücksichtigen. Insbesondere die Kommunikation zwischen Lehrenden und Eltern kann auf eine neue Ebene gehoben werden. Bei Gesprächsbedarf müssen Eltern nicht mehr in die Schule zitiert werden. Die neuen Medien machen es möglich, sich ohne direkte, persönliche Konfrontation auf Augenhöhe und mit emotionaler Distanz zu begegnen. Dabei können die betroffenen Schülerinnen und Schüler situationsbedingt von ihren Eltern zu diesen Gesprächen hinzu gezogen werden, oder  auch nicht. Für notwendig gehaltene, persönliche Treffen zwischen Lehrerinnen oder Lehrern mit Eltern müssen jederzeit möglich sein.

Die oben skizzierten Bereiche sind nicht isoliert sondern ganzheitlich zu betrachten. Ihre Bearbeitung erfordert die effektive Zusammenarbeit von externem Sachverstand, Schulleitungen, Lehrerschaft, Schülerinnen und Schülern, Eltern, Verwaltung und Politik. Dies ist weder durch die etablierten, aber weitgehend isoliert beratenden Einrichtungen auf kommunaler Ebene, noch durch ein überdimensioniertes, allumfassendes neues Gremium möglich. Die FDP-Fraktion schlägt daher eine „Digitalkonferenz“ vor, in der alle relevanten Gruppen repräsentiert sind und die den Digitalisierungsprozess koordinierend begleitet. In flexiblen Arbeitskreisen können dann zu den aktuell anstehenden Maßnahmen Entscheidungsgrundlagen für Verwaltung und Politik erarbeitet werden, um die notwendigen Rahmenbedingungen für ein zukunftsweisendes Schulwesen in der Gartenstadt Haan zu schaffen.